Matthi ASS Brien
Matthi ASS Brien
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Der Elternkreis in Celle trifft sich im Linerhaus.
Adresse: Alte Dorfstr.1 in Altencelle

Nächster Termin ist:

Di. 30.01.2018

um 19:00

30.01.18      
Martina Mähling und ich stehen für persönliche Fragen zur Verfügung.

Bitte immer anmelden unter: 05141 804111 oder E-Mail linerhaus.maehling@t-online

"Die Gesellschaft fordert die autistischen Symptome." So etwa konnte provokant die Aussage des Vortrages lauten.
Wenn wir über Autismus sprechen, dann sprechen wir meist über eskalierte Situationen, in den wenigsten Fälle benennen wir den banalen Anlaß dazu. Die Eskalation bietet einigen einen Nischenmarkt, den es zu erhalten gilt, da der Staat die Inklusion finanziell unterstützt. Daraus kann sich schnell ein gesellschaftlich gewollter "Blick" auf die autistische Störung entwickeln, der die Inklusion ungewollt behindert.
"Warum verhalten sich Elternhaus, Schule oder Arbeitsplatz überhaupt in dieser Art und Weise, die notwendig zu einer Eskalation führt?" wäre eine Frage in eine andere Richtung.
Das schwächste Glied
Wir diskutierten heute die These, daß wider Erwartung die Eltern in dem großen System der Familie oft das schwächste Glied seien, trotz der großen Möglichkeiten, die sie in ihrer Position als Eltern haben. Die natürliche Sorge um das Kind scheint oft zu Irrtümern zu verleiten, die dann den Eltern wichtige Ressourcen nehmen und sie dadurch schwächen. In der schwachen Position geben sie dann viel zu viel Verantwortung in das Umfeld ab, was dazu führt, daß sich ihre Position in der Kraftlosigkeit unbeabsichtigt noch mehr festigt. Ein Teufelskreis ist entstanden.
Wer hilft den Eltern da heraus? 
In den "Autismus-Ratgebern" wird die Wut meist nur als eine geschickt zu korrigierende Verhaltensauffälligkeit oberflächlich dargestellt (Das Bild mit den drei Trinkbechern), statt wie in den psychologischen Fachbüchern als ein tiefes menschliches Problem. Solche Verharmlosungen können bei Eltern schnell zu falschen Hoffnungen führen, die dann von unseriösen Therapieanbietern ausgenutzt werden.
Tagelang dasselbe Hemd
Wir erarbeiteten uns anhand einer Übersicht von Serge Sulz den Begriff der Dysfunktionalen Überlebensregel. In dem Fallbeispiel des 11jährigen Mädchens fragten wir uns, wie könnten die vier Schritte der Dysfunktionalen Regel lauten: "Nur wenn ich immer ..... und niemals ....., dann bewahre ich mir ...... und verhindere ......"
Die ersten beiden Punkte zeigen das, was das Mädchen bewußt oder auch unbewußt aktiv tut. Und die beiden letzten Punkte sind die erhofften Resultate ihrer Handlung. Die Eltern können über diese beiden letzten Punkte das Gesamtgeschehen beeinflussen. Sie können über das Belohnungssystem der Überlebensregel des Kindes auf die Aktivität des Kindes Einfluss nehmen.
Während wir sprachen, bemerkten wir alle, wie schwer es uns fällt zu akzeptieren, daß die Überlebensregel des Kindes dysfunktional ist und allein schon deswegen enge und schmerzhafte Grenzen hat.
Konstanz und Zeit hießen zwei Stichwörter aus dem Gespräch in dem Elternkreis. Sie deuten auf einen nicht ganz einfachen Sachverhalt hin. Die Beobachtung, daß die Handlung des Kindes oft wie "zeitversetzt" erfolgt, aber dennoch ausgeführt wird, bringt für beide Seiten schon etwas Entspannung. Und wie können Eltern das Kind in dem Zustand der "Zeit-Versetzung" noch unterstützen? Dazu ist anfangs genaues Hinschauen nötig. Über die aktuell gemachten Beobachtungen wollen wir das nächste Mal sprechen.
Wann darf morgens beim Frühstück der nächste Schritt erfolgen? Wie läßt sich die Konstanz von was beobachten? Kompensiert das Kind gerade die Grundstörung oder spielt es verträumt? Wann ist mein Wunsch nach "Eile" für das Kind eine Hilfe und wann eine Katastrophe?
Die Qualität der Konstanz in der Handlung des Kindes ist ein guter Hinweis, über den wir das nächste Mal sprechen wollen.